Werkzeuge/Beschreibung physikalischer Systeme/Dimensionen und Einheiten

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Schreibweise

Die Dimension einer physikalischen Größe erfasst man durch

 dim(.)

So ist

 dim(F)=Kraft

oder, abgekürzt

 dim(F)=K(Kraft) dim()=L(Länge) dim(t)=T(Zeit) dim(m)=M(Masse)

Basis-Einheiten nach dem SI-System sind

  1. Meter (m),
  2. Kilogramm (kg),
  3. Sekunde (s),
  4. Ampere (A),
  5. Kelvin (K),
  6. Mol (mol) sowie
  7. Candela (cd)

Von diesen sieben brauchen wir hier nur die ersten drei.

Weitere Einheiten lassen sich auf diese drei zurückführen und umrechnen:

N=kgms2,
 rad =1mm( radiant )

oder

bar=105Nm2.

Im Computer können wir keine Einheiten brauchen. Wir könnten alle Parameter in den SI-Basiseinheiten ausdrücken - dann müssen sich die Einheiten herauskürzen. Das geht bei realen Problemen häufig schief, weil die dann in den Systemmatrizen stehenden numerische Werte oft um mehrere Größenordnungen unterschiedliche Werte haben.

Beispiel:

Die numerischen Werte in der Randbedingung des Euler-Bernoulli-Balkens

  • für das Moment sind von der Größenordnung 10^6;
  • für die Verschiebung/Verdrehung sind von der Größenordnung 1.


Dimensionslos-Machen von Bewegungsgleichungen

Wir suchen nach Koordinaten der Bewegung, die keine Einheit mehr haben und deren Werte von der Größenordnung "1" sind. Das klappt nicht immer, aber oft.

Vorgehensschema:

  1. alle dimensionsbehafteten Parameter und Koordinaten durch dimensionslose Größen und Bezugsgrößen ersetzen;
  2. die Bezugsgrößen aus den Bewegungsgleichungen herauskürzen → die Bewegungsgleichung sieht wieder wie ursprünglich aus;
  3. Bezugsgrößen "passend" wählen;
  4. die numerischen Werte aller dimensionslosen Parameter berechnen und in die Bewegungsgleichungen einsetzen;
  5. Bewegungsgleichungen lösen.

Beispiel:

Aufgabenstellung

Wir lassen eine Kugel im Erdschwerefeld aus der Höhe H und ohne Anfangsgeschwindigkeit fallen.

Lageplan

Die Bewegungsgleichung des Systems mit der nichtlinearen Kontaktkraft K(h) in h(t) lautet:

mh¨mg+K(h)=0,
Dimensionslose Koordinate

Eine dimensionslose Koordinate bekommen wir, wenn wir h durch eine passende Bezugslänge lBez teilen, also

h~=h(t)Bez bzw h=h~Bez,

Die zweite Ableitung nach der Zeit bringt uns allerdings wieder eine Dimension - hier die Zeit - hinein. Mit der neuen, dimensionslosen Zeit τ

τ=ttBez,

und den dimensionslosen Parametern

m~=mmBez,K~=KFBez und g~=gaBez,

lautet die neue Bewegungsgleichung nun

m~mBezBeztBez2d2dτ2h~mBezaBezm~g~+FBezK~=0,

Das sieht sehr kompliziert aus - löst sich aber gleich in Wohlgefallen auf. Zunächst dürfen wir nur drei Beszugsgrößen unabhängig voneinander wählen, also könnten wir

aBez=BeztBez2 und FBez=mBezBeztBez2,

ersetzen und erhalten - nach der Division durch die Bezugskraft

m~h~m~g~+K~=0 mit (.):=ddτ(.),

Das ist nun wiederum die Form der Ausgangs-Bewegungsgleichung - nur, dass hier jetzt andere Zahlenwerte stehen.

Wahl der Bezugsgrößen

Es ist praktisch

Bez=H , FBez=mg und tBez=2Hg( die Zeit bis zum ersten Aufprall),

zu wählen - denn dann wird der Wert von der dimensionslosen Koordinate h(t)/H zwischen 0 und 1 sein, die Dauer einer Periode des Vorgangs wird fast 2 sein (wenn die Stoßdauer sehr kurz ist).

Mit den Systemparametern

H=1m,mg=1N,

ist z.B. der Zahlenwert für die dimensionslose Erdbeschleunigung nun

g~=9.81ms2/BeztBez2=1.962,
Bewegungsgleichungen lösen

Die Bewegungsgleichung können wir nun als ODE 1ster Ordnung schreiben als

ddτ(h~v~)=(v~g~+k~(h~)),

und im Zeitbereich mit den Anfangsbedingungen

(h~0v~0)=(10),

lösen. Im Zeitbereich finden wir die Lösung

Zeitverlauf der Ball-Höhe.

und die entspricht - mit der Anfangs-Höhe "1" und der Periodendauer von (fast) "2" - genau unseren Vorstellungen!