Gelöste Aufgaben/SKER

Aus numpedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Aufgabenstellung

Die Bewegung des Dehnstabes wird durch das Zusammenspiel von elastischen Verformungen und Trägheitskräften bestimmt. Man nennt das "Schwingungen von Kontinua" - diese untersuchen wir hier. Der zentrale Aufgabe besteht in der Berechnung der homogenen Lösung - und der Anpassung der Lösungsanteile an die Anfangsbedingungen.


Caption

Gesucht ist analytische Lösung für Schwingungen des Euler-Bernoulli-Balkens beim Loslassen aus der enspannten Ruhelage.


Lösung mit Maxima

Header

Für die mathematische Behandlung - insbesondere der Auflösung quadratischer Gleichungen - setzen wir in Maxima voraus, dass

E>0,A>0,0>0;.




Equations of Motion

In der Gleichgewichtsbeziehung für den Dehnstab setzen wir als eingeprägte, äußere Streckenlast n(x,t) die D'Alembert'sche Trägheitskraft und die Gewichtskraft an, also

n(x,t)=ϱAgϱAu¨(x,t)

Die Lösung der partiellen Bewegungsgleichung

ϱAu¨EAu=ϱAg

setzt sich dann aus zwei Lösungsanteilen, der partikularen Lösung up und der homogenen Lösung uh, zusammen; wir schreiben

ut(x,t)=up(x,t)+uh(x,t).




Particular Solution

Die partikulare Lösung up erfüllt die "rechte Seite" der Bewegungsgleichung, also -ϱ A⋅g:

EAu'p=ϱAg.

Die rechte Seite ist zeit-unveränderlich - so auch die partikulare Lösung:

Wir integrieren die Bewegungsgleichung zwei Mal und erhalten

AEu(x)=Agρx22+C1x+C0.

Die zwei Integrationskonstanten Ci müssen wir nun an die Randbedingungen

up(0)=0EAup()=0

anpassen, wir erhalten aus dem linearen Gleichungssystem

0=C00=Agϱx+C1

und damit die partikulare Lösung

EAup(x)=ϱAg2(ξξ22)
Partikulare Lösung
Die maximale Auslenkung - am rechten Rand - nutzen wir als Bezugslänge
us=ϱAg22EA

Und so sieht up aus:




Homogeneous Solution

Die homogene Bewegungsgleichung

ϱAu¨EAu=0

lässt Lösungen vom Typ

uh(x,t)=Usin(κx)cos(ω0t)

zu, die alle Rand- und Anfangsbedingungen erfüllen. Eigentlich müsste hier ein Uejω0teκ0t-Ansatz stehen, beim dem auch U komplex wäre. Mit etwas Erfahrung dürfen wir es uns hier einfacher machen.

Einsetzten unseres speziellen Ansatzes liefert

κ2=ϱAEAω02.

Die Anpassung an die Randbedingungen

uh(0,t)=0EAuh(,,t)=0

gestaltet sich einfach: unser besonderer Ansatz erfüllt bereits die erste Randbedingung (sin(0)=0), die zweite Randbedingung cos(κl)=0 ist erfüllt, wenn

κ=2πiπ2,

wir bekommen für jedes i eine Lösung, also unendlich viele.

Zu jedem κ gehört eine Eigenkreisfrequenzen

ω02=π2Eϱ2(i12)2.

Die unterste Eigenfrequenz nutzen wir, um eine Bewegungsgleichungen dimensionslos zu machen: die längste Schwingungsperiode ist damit die Bezugs-Zeit

Tref=2πω0,1=4ϱE

Die Lösungen

uh,i(t)Ui=sin(κix)):=ϕi(x)cos(ω0,it)

mit Ihren Modal-Formen ϕi und Eigenkreisfreuquenzen ω0,i sind hier aufgetragen.

ModeModalform ϕj ModeModalform ϕj
#1
ω0,1=12πT
#2
ω0,2=32πT
#3
ω0,3=52πT
#4
ω0,4=72πT
#5
ω0,5=92πT
#6
ω0,6=112πT




Adapt to Initial Conditions

Zum Zeitpunkt t=0 soll

uh(x,0)=i=1Uiϕi(x)+up(x)=0

gelten. Das kriegen wir hin, indem wir die (unendlich vielen) Ui der homogenen Lösung passend wählend. Das klingt komplizierter als es ist - die Mathematik bereitet uns den Weg.

Spezieller Lösungsansatz:
Wir können unseren speziellen Lösungsansatz mit cos(ω0t) übrigens nur deshalb an die Anfangsbedingungen anpassen, weil die Anfangsgeschwindigkeit des Stabes Null ist - das liefert der cos. Für eine von Null verschiedene Anfangsgeschwindigkeit bräuchten wir den sin-Anteil der Lösung.

Die Beziehung oben multiplizieren wir mit einer der Modalformen ϕk und bilden das Integral über die Balken-Lange , also

(i=1Ui0ϕj(x)ϕk(x)dx)+0up(x)ϕk(x)dx=0.

Wir projizieren also die Modalformen auf sich selbst und auf die partikulare Lösung. Und nutzen aus, dass diese Faltungs-Integrale der Modalformen eine besondere Eigenschaft haben:

0ϕjϕkdx{=0 für jk0 für j=k

Man sagt: die Funktionen sind zueinander verallgemeinert orthogonal. Damit berechnen wir

Ui=32π3(8i312i2+6i1),
Animation: Loslassen des Systems aus der unverformten Rugelage.

Anhand der numerischen Werte der Koeffizienten

U1=1.03,U2=0.0382,U3=0.00826,U4=0.00301,U5=0.00142,U6=7.75104

sehen wir, dass nur die erste Modalform einen signifikanten Beitrag bei der Anpassung an die Anfangsbedingungen liefert. Wir nehmen bei der Auftragung der Gesamtlösung wt(x,t) trotzdem die ersten sechs Modalformen mit:

In der Animation sehen Sie das Loslassen des Stabes aus der unverformten, geraden Referenzlage für genau eine Periodenlänge T1 der ersten Modalform. Die Schwingung, die entsteht ist T1-periodisch - die anderen Modalformen leisten einen (kleinen) Beitrag, dessen Schwingungsperiode genau ein Vielfaches der Grundschwingung ist - die Darstellung der aneinandergestückelten Lösungen geht "ruckfrei" nach einer Periode ineinander über.




Tipp:
Die Grundform der homogenen Differentialgleichung
u¨c2u=0 hier mit c2=Eϱ

ist Basis für alle Musik-Instrumente - ob Saiten- oder Blas-Instrument. 

Denn die Bewegungsgleichung von Saiten- und Luft-in-Rohr-Resonanzen führen auf genau diese Bewegungsgleichung.

Überlegen Sie, welche Eigenschaft der homogenen Lösung dieser Bewegungsgleichung ihre besondere Bedeutug ausmacht!

Links

  • Schwingungen von Kontinua eines Euler-Bernoulli-Balkens (SKEB)

Literature

  • ...