Randwertprobleme/Methoden zur Lösung von Randwertproblemen/Integration der Differentialbeziehung (EBB)

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Das Randwertproblem eines Euler-Bernoulli-Balkens können wir durch

  • Integration der Differentialbeziehung im Feld (der Biege-Differentialgleichung EI w'''' = q) und
  • Anpassen der Integrationsbedingungen an die Rand- und Übergangs-Bedingungen an den Knoten

lösen.

Das Integral für w der Feld-Differentialgleichung ist die allgemeine Lösung: das w(x) ist unabhängig von dern Rändern des Feldes aber spezifisch für die Last q(x). Das problem-spezifische w(x) erhalten wir an, indem wir die allgemeine Lösung mit Ihren Integrationskonstanten an die Randbedingungen anpassen.

Aufteilung in Felder und Knoten

Zum Randwertproblem gehören

  • die Felder, hier I, II, III, .... X und
  • die Knoten des Balkens (die Black-Boxen im Bild), hier A, B, C, D ... Y und Z.
Felder sowie Rand- und Übergangsbedingungen.


Hier sind die Balken - der Einfachheit-halber - in einer Linie hintereinander angeordnet.

Felder

Felder sind Balkenabschnitte zwischen zwei Knoten - als Beispiel hier H und I.

In diesen Bereichen führen wir eine lokale Koordinate xi ein. Hier gilt für 0 < xi < li eine Lösung der Biege-Differentialgleichung

(EiIiwi(x))=qi(x)

und damit meist - wenn wir mit Balken mit konstantem EI arbeiten

EiIiw(xi)=qi(xi).
Koordinaten der Streckenlast q(x).


Diese Differentialgleichung können wir zur Biegelinie w(x) integrieren und erhalten

EiIiwi(xi)=qi(xi)dxidxidxidxi+Ci,3x36+Ci,2x22+Ci,1x+Ci,0

und dabei immer - je Bereich:

  • vier Integrationsvariablen, hier Ci0 ... Ci3 .

Das Problem:

  • die Integration der Differentialbeziehung glückt fast nur für Probleme, die im Rahmen des Unterrichts der Technischen Mechanik relevant sind. Praktische Probleme lassen sich so fast nie lösen.

Das liegt nicht daran, dass die Integration von qi(xi) scheitert, sondern dass praktische Probleme meist Schalen- oder Volumen-Körper mit komplizierteren Differentialbeziehungen beinhalten oder die Anpassung an die Randbedingungen nicht gelingt.

Knoten

Zwischen zwei Knotenpunkten gilt eine Lösung der Biege-Differentialgleichung. Die Lösung der Biege-Differentialgleichung zweier Bereiche unterscheidet sich durch die Lösung des unbestimmten Integrals

qidxidxidxidxi

(falls die qi unterschiedlich sind) und die Werte der Integrationskonstanten Cij.

Knotenpunkte sind

  • beide Ränder des Balkens,
  • Lager und Gelenke,
  • Last-Einleitungspunkte für diskrete (punktuelle) Kräfte und Momente sowie
  • Unstetigkeiten der Biegesteifigkeit EI oder der Streckenlast qi(xi).

An jedem Knotenpunkt xK = 0 oder xK = ℓi eines Bereichs können wir aus Rand- und Übergangs-Bedingungen Gleichungen für die Anpassung der Integrationskonstanten Cij der Biegelinie gewinnen. Und es müssen je Bereich vier Gleichungen sein.

Dies sind für einen Knoten K

Rand- bzw. Übergangs-Bedingungen für ....
Auslenkung wK
Neigung w'K
Schnitt-Moment MK = -EI w''K
Schnitt-Querkraft QK = -EI w'''K

Aus Überlegungen zur Arbeit sind diese Bedingungen bei Lagern und Gelenken miteinander verknüpft. Dabei spielen jeweils die Paare [wK, QK] (Weg*Kraft) sowie [w'K, MK] (Drehung*Moment) eine Rolle.

So können wir

  • bei Lagern, die wK = 0 erzwingen, keine Randbedingungen aus dem Kräftegleichgewicht in Richtung von w gewinnen,
  • bei Lagern, die w'K = 0 erzwingen, keine Randbedingungen aus dem Momentengleichgewicht in Drehrichtung von w' gewinnen,
  • bei Lagern, die QK = 0 erzwingen, keine Randbedingungen für die Auslenkung von wK gewinnen sowie
  • bei Lagern, die MK = 0 erzwingen, keine Randbedingungen für die Drehung von w'K gewinnen.

Für jeden Rand-Knoten gewinnen wir zwei, für jeden Übergangs-Knoten vier gewöhnliche Gleichungen.

Dies sind

  • geometrische Bedingungen und
  • Kraft- / Momenten-Gleichgewichtsbedingungen.

Während wir die geometrischen Bedingungen einfach aus dem Lagertyp "ablesen" können, brauchen wir für die Kraft- / Momenten-Gleichgewichtsbedingungen ein Freikörperbild am Knoten.

Da wir an jedem Knoten eine "linke" und eine "rechte" Seite haben, führen wir als Kennzeichnung

  • für die "rechte" Seite ein "+" und
  • für die "linke" Seite eine"-"

ein.

Rand-Knoten:
Allgemeines Schnittbild

für einen Rand-Knoten

Bsp: Schnittbild für ein

gelenkiges Festlager

Rand-Knoten Gelenkiges Lager und Schnittgrößen.

Für ein gelenkiges Festlager kommen die zwei Gleichungen aus

Rand-Bedingungen für ....
Auslenkung wK+ = 0
Neigung wK+: keine Bedingung
Schnitt-Moment MK+= 0
Schnitt-Querkraft QK+: keine Bedingung
Übergangs-Knoten
Allgemeines Schnittbild für einen Übergangs-Knoten Schnittbild für ein Gelenk
Übergangs-Knoten. Übergangs-Knoten, Beispiel: Gelenk

Für ein Gelenk kommen die vier Gleichungen aus

Übergangs-Bedingungen für ....
Auslenkung wK+= wK-
Neigung wK : keine Bedingung

Schnitt-Moment  MK+= 0 und MK-= 0
Schnitt-Querkraft QK+= QK-


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